Stellungnahme zu den Ereignissen vor dem Spiel gegen Hansa Rostock

1. April 2010 · Rubrik: Stellungnahmen  

Stellungnahme des Fanladen St. Pauli zu den Ereignissen vor dem Spiel gegen den FC Hansa Rostock in der Südkurve

Wir wollen als Fanladen St. Pauli, der Anlaufstelle für ALLE St. Pauli-Fans, zu einer Versachlichung der sehr emotionalisiert geführten Debatte beitragen und haben uns aufgrund dessen entschlossen, eine Stellungnahme zu veröffentlichen.
Die Mitarbeiter des Fanladens waren während der Blockade vor allem rund um den „Fanladen-Kiosk“ tätig. Nach unserem Eindruck war es in diesem Bereich so, dass es zwar eng war, allerdings nicht enger als auf einer Stehplatztribüne selbst. Man konnte problemlos zurück zur Treppe gehen, wo sich eine räumliche Entspannung zeigte und kam mit etwas Mühe auch zur Mitte hin durch. Das einige Fans, wie etwa Kinder oder auch ältere Menschen diese Situation wesentlich unangenehmer deuteten, können wir absolut nachvollziehen. Wir wollen niemanden seine Gefühlslage absprechen, konnten aber die erwähnte Gefahr für Leib und Leben bei der Mehrheit der Fans nicht ausmachen.
Es kam zu vereinzelten Pöbeleien (vor allem direkt gegen USP), aber auch gegen Mitarbeiter des Fanladens. Über den Tonfall und die Art und Weise wie diese geäußert wurden, sind wir bis jetzt erstaunt und erschrocken, wir sind unter St. Pauli-Fans eine völlig andere, respektvollere Umgehensweise gewohnt. Rassistische und homophobe Pöbeleien disqualifizieren sich selbst, ebenso der Aufruf zum Denunziantentum, Faschismusvergleiche oder die Polizei einschalten zu wollen, wenn es darum geht UNSERE Probleme zu lösen.
Wir hatten den Protest-Flyer unterschrieben und finden den Protest für Fanrechte auch weiterhin angebracht und wichtig. Bei all dem Unmut darf dieses Thema keineswegs in Vergessenheit geraten. Die Umsetzung dieses Protestes muss aber intern aufgearbeitet werden. Da sind sowohl die Blockierer, die Pöbler, der Verein und auch wir als „vermittelnde Instanz“, sprich WIR ALLE gefordert. Niemand anders wird uns dieses Problem abnehmen. Diese Aufarbeitung muss ehrlich, ohne Vorbehalte, ergebnisoffen und direkt verlaufen. Eine Stigmatisierung über etwaige Medien ist unserer Ansicht wenig förderlich. Wir wollen auch niemand eine Meinung aufdrücken. Denn INHALTLICHE Kritik und Diskussionen sind gut und wichtig. Es wäre wünschenswert gewesen, dass diese Aufarbeitung von Beginn an intern läuft und man dann ggf. gemeinsam an die Öffentlichkeit geht. Dass jetzt schon Privilegienentzug und harte Konsequenzen öffentlich gefordert werden, bevor eine Stellungnahme vorliegt, finden wir befremdlich.
Zum Schluss möchten wir darauf hinweisen, dass wir die vielfach beschriebene Spaltung der Fanszene als Gefahr sehen. Wir hoffen inständig, dass es zu einem Prozess kommt, indem zielorientiert erarbeitet wird, wie es ein weiteres Zusammenspiel mit JEDER Art des St. Pauli Fan sein geben kann. Niemand hat unserer Ansicht das Recht zu selektieren, wer mehr und wer weniger St. Pauli Fan ist oder vermeintlich nicht hier hin gehört.

United we stand – divided we fall! Forza St. Pauli!

Euer Fanladen!